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Liebes Afrika – ein ganz persönlicher Reiseeindruck

  • März 1, 2019
  • 6 minute read
  • Sabrina Holland

Meine Reise nach Sambia!

Für viele bist du die Dritte Welt, aber was soll das bedeuten?

Unterentwickelt, ausgebeutet, ignoriert – als wirtschaftlich schwächster Kontinent der Erde oft belächelt. Deine Vergangenheit ist geprägt von Nöten und Ungleichbehandlung. Vielerorts sind Missstände sichtbar, deinen Bewohnern wurden harte Prüfungen auferlegt und doch haben sie niemals ihr Lächeln verloren. Sie arbeiten hart für geringen Lohn, geben viel und bekommen wenig. Doch Gäste behandeln sie wie Könige, singen und tanzen, leben aus vollem Herzen, teilen und zeigen ihnen die Wunder ihrer faszinierenden Heimat – und freuen sich mit ihnen. Ehrliche Gastfreundschaft, herzliches Miteinander und echte Lebensfreude sind in unserer konsumorientierten Gesellschaft oft gering geachtete Werte – und doch sind es die, die zählen. Liebes Afrika, für mich bist du eine neue Welt, ein Mosaik an Möglichkeiten, ein Abenteuer, ein neuer Anfang und damit ein Marker auf der Reise näher zu mir selbst. Ein Hort wundersamer Naturschätze, kultureller Vielfalt und ungeahnter Kräfte. Berauschend. Du tanzt, während ich nun nicht mehr nur erstaunt zusehe.

Wer einmal hier war, wird immer wiederkommen.

Dieser Kontinent ist wie ein Lied, das man immer wieder hören möchte. Mehrmals hatte ich bereits das große Glück, die Einzigartigkeit und zugleich Vielfältigkeit dieses weitläufigen Fleckens Erde
erleben zu können und schon als ich dieses Mal in den Flieger gestiegen bin, begann es in mir zu summen. Erst ganz leise, unbedacht, ich bemerkte es kaum. Über 14 Stunden trennten mich noch von meinem Ziel. Aber es war jede einzelne Minute des Wartens wert. Mein Ziel diesmal: Sambia. Eine ehemalige britische Kolonie, geprägt von der Fruchtbarkeit des 2.574 Kilometer langen Sambesi – des viertgrößten afrikanischen Stroms, der in den Indischen Ozean mündet. Kühle Wassertemperaturen, reißende Stromschnellen und zwischen der Grenze zu Simbabwe der mächtigste Wasserfall Afrikas. Ganze 110 Meter stürzen die Victoriafälle in die Tiefe, verursachen mehrere Tausend Regenbögen am Tag, wirbeln das Wasser bis zu 300 Meter in die Luft – ein beeindruckendes Naturschauspiel, das von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde und als donnernder Rauch in bis zu 30 Kilometer Entfernung sichtbar ist. Bis dato für mich nur eine abstrakte Sehenswürdigkeit.

Doch da wusste ich noch nicht, dass mir der Fluss auf dieser Reise alles abverlangen würde.

Gelandet in Livingstone, benannt nach dem gleichnamigen schottischen Missionar David Livingstone, der 1855 erstmals die Schönheit dieses Ortes nach Europa kommunizierte und den Wasserfall als das Schönste, das er in Afrika je zu Gesicht bekam, beschrieb. Wer diesen Ort authentisch erleben möchte, wohnt im Royal Livingstone Victoria Falls Zambia Hotel by Anantara, ein über Jahre hinweg kultiviertes und sehr einladendes Anwesen, das über den Fluss erreichbar ist, als einziges Hotel dort mitten im Mosi-oa-Tunya-Nationalpark liegt und Mensch und Natur vereint.

Freilebende Zebras, die vor den Villen grasen, Elefanten, die abends gern mal zum Sonnendeck kommen und an der Bar nach Früchten suchen, und viele regionale Mitarbeiter, die ihren Gästen das authentische Sambia-Feeling vermitteln. Nach dem Abendessen tanzen die Mitarbeiter bis tief in die Nacht und singen mit voller Leidenschaft. Wer nicht schnell genug am Tisch sitzt, wird da gern mal mit auf die Tanzfläche gezogen – eine Energie, die ansteckt.

Immer lauter ertönte das Summen des Liedes in mir…

dessen Melodie mir so bekannt erschien. Das Lebensgefühl fing mich ein und ließ mich nicht nur entspannen, sondern schürte Mut in mir, über mich selbst hinauszuwachsen. Momente später befand ich mich auf einem Wassertaxi zur Livingstone Island – einem kleinen Fleck Erde direkt über den Wasserfällen, der Besucher auf einen der gefährlichsten Orte der Welt vorbereitet: den Devil‘s Pool. Ein winziger natürlicher Bereich aus Naturstein, versteckt hinter einem kleinen Felsvorsprung. Knapp dahinter: nichts als brodelnder Abgrund. 110 Meter stürzen die Victoriafälle dort in die Tiefe.

Der wohl aufregendste Infinity Pool der Welt ist definitiv mit Vorsicht zu genießen:

„Gab es schon Tote?“, fragte jemand aus unserer Runde. „Ja, das kommt schon vor. Wer nicht vorsichtig ist, gerät in die gefährliche Strömung.“ Wer würde in seinem Urlaub freiwillig sein Leben riskieren, fragte ich mich inständig. Ich war nie besonders gesegnet mit Grundvertrauen, sondern bin eher immer der vorsichtige Typ. Besser kein Risiko eingehen, lieber die sichere Nummer fahren. Und doch reizte mich das Erlebnis am Abgrund. Was mich schließlich überzeugt hat, war die Energie, die diesem einsamen Ort innewohnt.

Es stimmt wohl, was man sagt: Weit weg ist man verdammt nah bei sich selbst.

Ich spürte, dass ich es will, dass ich es kann. Und so stürzte ich mich in einer kleinen Gruppe in die Stromschnellen, schwamm mit den zwei Begleitern immer näher zum Pool. Schon die Anreise war ein Kampf mit meinen Nerven. Wer nicht krault, treibt ab – in die Tiefe. „Schwimm!!!“, schrie mein Gehirn mich an und wie von selbst entwickelte ich Kräfte, die ich an mir noch nie erlebt hatte. Noch nie bin ich so schnell geschwommen, noch nie war ich so nah bei mir – und erhaschte schließlich einen Blick nach unten. Da fühlte ich es: Unbesiegbarkeit, Stolz und das Adrenalin, das mir durch die Adern schoss. Ich wollte MEHR.

Bereit für das nächste Abenteuer willigte ich am nächsten Tag ein, mich in ein Ultraleichtflugzeug zu setzen – eine Art schwebender Drachen ohne jegliche Verglasung, mitten in der Luft. Bis auf 800 Meter stieg das Gefährt. Der Wind brannte in meinem Gesicht, ich war nur mit einem Bauchgurt gesichert und hörte mich fragen: „Kann das Ding Loopings?“ Schon befand ich mich im Karussell der Lüfte, flog tief zu den Fällen, betrachtete die Schönheit des Landes, vertraute meinem Piloten, dem Leben und mir selbst. Und wollte MEHR.

Wie im Rausch stand ich am Morgen darauf auf und hatte einen Entschluss gefasst.

Einen, der mir nie zuvor in den Sinn gekommen wäre und der für mich jegliche Angst katalysierte: Bungee-Jumping. Mit dem Taxi fuhren wir zur Eisenbahnbrücke über den Victoriafällen. Ein schmales Gerüst im Gestein. Eine Unterschrift. Ein paar Seile, Karabiner und Menschen, die auf mich einredeten. Ich hörte nichts davon. Nur: „Three, two, one, swing!“ Es war nur ein Schritt ins Leere. Aber wisst ihr was? Ein einziger Schritt kann den gesamten Weg verändern. Als ich mich für vier Sekunden im freien Fall befand, schrie ich und fühlte nichts außer die Luft in meinem Gesicht. Als das Seil zu federn begann, musste ich lachen. Ich war überglücklich und bin es noch.

Dieser Ort, an dem Freiheit das größte Gut ist, hat mich komplett gefangen! Nirgendwo anders habe ich so gelebt wie hier. Und genau das ist doch der Sinn des Reisens.

Danke, liebes Sambia!

 

Tipps für eine Reise in den Süden Afrikas:

Kapstadt – der Geruch des Ozeans, pulsierendes Leben, der Blick auf den Lion‘s Head. Die südlichste Stadt unseres Längengrads gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt. Wer sich in die Stadt verlieben will, kuschelt mit den afrikanischen Pinguinen am Boulders Beach, lernt Surfen in Little Bay, frühstückt im Starlings Cafe und lässt sich auf unvergessliche Nächte in der „Mother City“ ein.
Wo man am gemütlichsten wohnt? Im The Last Word Constantia, einem kleinen Boutique-Hotel inmitten der idyllischen Weinberge und besten Restaurants der Gegend. Wer lieber in der pulsierenden Stadt wohnt, für den ist The Cape Royale direkt an der Oceanfront perfekt. Das Hotel zählt zu den architektonischen Highlights der Stadt und ist bekannt für seinen herausragenden Service.

 

Tipps für eine Reise in den Norden Afrikas:

Marrakesch – die Stadt mit dem exotischen Flair und 1001-Nacht-Gefühl zum Greifen nah. Nur etwa vier Flugstunden benötigt man von Deutschland in die bunteste aller Metropolstädte Nordafrikas. Spätestens beim Klang der Gebetsrufe über die Medina, der Altstadt Marrakeschs, weiß man, dass man angekommen ist. Es riecht nach Räucherstäbchen, Gewürzen und trockener Hitze, die man am besten bei einer Portion Hummus im Restaurant Nomad im Zentrum der Stadt aushält. Für alle Modebegeisterten ist der blau-gelbe Jardin Majorelle das Must-see in Marrakesch. Modedesigner Yves Saint Laurent hat ihn 1980 gekauft – der Garten war Inspirationsquelle für seine Kollektionen. Nirgendwo sonst wird man gebettet wie hier – die Nordafrikaner zelebrieren das Schlafgemach als heiligen Ort. Wer residieren möchte wie eine arabische Prinzessin in einem alten Palast, wohnt im großartigen La Mamounia, dem traditionsreichsten und schönsten Hotel der Stadt (Insta Alert!). Kostengünstige Alternative: eines der vielen traditionellen und meist privatgeführten Riads in der Medina, beispielsweise Riad Yasmine oder Le Riad Berbère.

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